Auf ein Wort

Claudia Rössling-MarenbachAm 31. Oktober hat es begonnen, das Lutherjahr, wie es viele nennen.

Ab diesem Tag wollen Christinnen und Christen/Protestantinnen und Protestanten ein Jahr lang in besonderer Weise Martin Luthers und der Reformation gedenken.

Was aber bringt uns die Reformation heute?
Was sagt sie uns heute noch? Sind die Glaubensverschiedenheiten der evangelischen und katholischen Kirchen wirklich noch kirchentrennend? Sind wir nicht heute vielmehr froh, wenn Menschen sich überhaupt noch zu Kirche bekennen – unabhängig von der Konfession? Wie soll man in diesem Jahr mit der römisch-katholischen Kirche umgehen: Wollen wir das Trennende betonen oder das Einende? Geben wir unser protestantisches Profil auf, wenn wir uns auf die Suche nach dem Einenden machen?

Sind wir nicht vor Ort viel weiter als in den obersten Etagen der Theologie?

In vielen Gruppen unserer Gemeinde leben wir Ökumene längst ganz selbstverständlich und ohne große Worte darum zu machen. Wir finden die unterschiedlichen Traditionen unserer Kirchen höchstens sehr spannend – sie machen Lust zum Diskutieren – aber sie trennen uns schon lange nicht mehr! Gott sei Dank! „Was bedeutet Fronleichnam?“ „Warum dürfen Frauen in der katholischen Kirche kein Amt übernehmen?“ „Was hindert uns am (offiziell) gemeinsamen Abendmahl?“

Die Diskussion um diese Inhalte verwischt nicht die Unterschiede. Die Diskussion schärft unseren Blick auf das, was uns eigen ist und was uns ausmacht – als evangelische oder katholische Christinnen und Christen. Das wiederum stärkt uns auch in der Diskussion mit anderen Religionen!

Wir haben in unserem Glauben unterschiedliche Traditionen – in der Regel, weil wir in sie hinein geboren wurden. Welche „richtiger“ ist – über diese Frage sind wir doch längst hinaus. Gott allein weiß unsere Bemühungen um ein gutes Glaubensleben wirklich zu beurteilen. Die Kirchen betonen daher nicht das Trennende sondern die versöhnte Verschiedenheit, die es uns ermöglicht, GEMEINSAM an Jesus Christus zu glauben und diesen in den Traditionen unterschiedlichen Glauben zu feiern. Wir feiern ein Christusjahr!

Freuen wir uns auf die vielen theologischen Impulse, die uns dieses Jahr bringen wird!

Ihre Claudia Rössling-Marenbach