Das letzte Geleit

Gestatten Sie mir ein offenes Wort, das mich schon lange umtreibt: Wenn wir Menschen zu Grabe tragen, begleiten wir trauernde Menschen, auf einem schweren Weg. Wenn wir zum Friedhof gehen, gehen wir durch den Ort, in dem der Verstorbene sein Leben lebte. Wir erweisen einem Menschen und seiner Familie die (letzte) Ehre. Natürlich geht das Leben weiter und natürlich gehen nie alle Menschen
eines Ortes zur Beerdigung, sondern sie gehen ihrem Arbeitsleben nach. Aber: Es ist ein Zeichen der Ehre, der Anerkennung oder zumindest der Höflichkeit, wenn man einen Augenblick innehält, wenn
der Trauerzug durch den Ort geht.
Es wäre wirklich schön, wenn das auch Autofahrer/-innen so sehen würden und nicht mit hohem Tempo an den Menschen vorbeifahren! Warum fahren Sie nicht einfach kurz an den Straßenrand, machen den
Motor aus und bleiben einen Augenblick lang dort stehen, bis wir vorbei sind. Im besten Fall beten Sie vielleicht sogar ein stilles Vaterunser. Oder die, die gerade draußen an der Säge stehen oder den Hof kehren: Vielleicht legen Sie einen Moment lang Ihr Werkzeug aus der Hand, machen die Säge aus und bleiben einfach still stehen…. oder wenn Ihnen das unangenehm ist, wenden Sie sich einer anderen Beschäftigung zu. Die Sterbeglocke zeigt an, wann wir an der Kirche losgehen.
Ein weiteres: Ich persönlich fände es sehr angenehm, im Trauerzug selbst diesen Weg der Ehrerbietung schweigend zurückzulegen, oder wenigstens nicht laut redend oder lachend. Natürlich sind nicht alle, die mitgehen, gleich betroffen. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich sehr traurig wäre und hinter mir sind schon wieder alle am Reden und am Lachen…. Ich glaube, das würde mich sehr stören, ärgern, wundern.
Ich hoffe, Sie nehmen mir dieses offene Wort nicht übel. Aber das beschäftigt mich wirklich schon lange und es musste einfach mal gesagt/ geschrieben werden.
Pfarrerin Claudia Rössling-Marenbach