Auf ein Wort

Claudia Rössling-Marenbach
Suche Frieden und jage ihm nach
(Psalm 34,15)

Es weihnachtet schon überall kräftig. Aus den Lautsprechern in den Geschäften hören wir „I wish you a merry christmas“ oder „going home for christmas“ oder auf Deutsch: „Stille Nacht, heilige Nacht“. Alle Lieder singen irgendwie von Liebe, Frieden und von Heimat.Wir suchen Weihnachtsgeschenke, schmücken unsere Häuser,entzünden Kerzen, essen Lebkuchen und Plätzchen, planen Familientreffen. Wir tun alles dafür, dass es irgendwie heimelig wird, dass wir ein „Gehaischnis“ finden können – wie die Hunsrücker/-innen sagen.

Können wir das „Gehaischnis“ in diesen alljährlichen Dingen finden? Ist „Gehaischnis“ nicht auch so etwas wie „Frieden auf Erden“?

Wenn das so ist, dann werden wir das nicht in den hell erleuchteten Geschäften finden. Wirkliches „Gehaischnis“, wirklicher Friede beginnt im Herzen und in dem Gefühl, zufrieden zu sein, irgendwie glücklich zu sein, irgendwie, irgendwo „zuhause“ zu sein… Vielleicht einfach nur in sich selbst…. Oder doch nicht nur?

Ich glaube, dass die Weihnachtsbotschaft und die Jahreslosung für 2019 viel miteinander zu tun haben, denn einen echten Frieden finden wir nicht nur in unseren eigenen Stuben. Echter Friede kann nur werden, wenn DIE WELT etwas von diesem Frieden finden kann. Es beginnt doch schon in unserer Nachbarschaft: Wie kann ich Frieden finden und Glück, wenn ich weiß, dass mein Nachbar/meine Nachbarin unter einem Unglück leidet? Und weiter: Wie kann ich Frieden finden, wenn Krieg herrscht in so vielen Ländern dieser Welt, wenn Menschen auf Menschen schießen und Gewalt ausüben und Kinder töten oder für ihr Leben lang verstümmeln, die für die Konflikte der Erwachsenen überhaupt nichts können? Wie kann ich Frieden finden, wenn ich die Reste meiner Weihnachtsgans in die Biotonne kippe, während in anderen Teilen dieser Welt Menschen noch nicht mal eine Handvoll Reis haben um ihren Hunger zu stillen?

„Suche den Frieden und jage ihm nach“: Vielleicht ist diese Jahreslosung für 2019 die unglaublich politische Weihnachtsbotschaft die uns von unserem familiären „driving home for christmas“ in die Welt weist und uns sagt: Friede und Gerechtigkeit beginnen da, wo wir Menschen menschlich miteinander umgehen und wo wir unsere Kräfte einsetzen, für Gerechtigkeit und Frieden in dieser Welt.

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen allen ein Weihnachtsfest, das nicht an Ihrem Christbaum endet, sondern in die Welt blickt und ihnen und der Welt ein Stück Frieden bringt – auch durch SIE!

Herzlich, Ihre Pfarrerin