Auf ein Wort

Liebe Leser – innen!

Foto: Alea Horst

Das Schöne am Sommer ist: Man kann draußen sein. Noch geht es. Danach können sich wetterfeste Menschen zwar immer noch draußen bewegen. Aber ich bin gerne draußen, ohne mich zu bewegen. Ich finde es schön, wenn andere das tun, die Blätter, die Bienen, die Vögel, und natürlich die Wolken, und ich sehe und höre zu. Allerdings kann ein Spaziergang auch viel Gutes bewirken. Wenn ich keine Idee für einen Text habe, muss ich nur ein bisschen gehen, schon habe ich die Fortsetzung.
Überall liest man neuerdings von Forschungen über das draußen sein. Sie kennen die Ergebnisse? Draußen sein macht gesünder, glücklicher, freundlicher. Einfache Frage: Wo sind Sie glücklich? Na? Fast immer liegt der Ort draußen. Es gibt zwar auch Menschen, die hier eine Bar nennen, in die kein Tageslicht fällt, aber für die meisten liegt er draußen, im Wald, auf einem Berg oder am Meer.
Wissenschaftlerinnen finden ja oft Sachverhalte heraus, die wir bestens kennen. z.B. dass Naturerlebnisse unseren Egoismus verkleinern. Angesichts von Bergen und Bäumen schrumpft unser Ego. Und haben Sie auch schon vom „Waldbaden“ gehört? Auf Japanisch heißt das „Shinrin-Yoku“. Man umgibt sich einfach mit etwas, das uns guttut, zum Vorteil von Blutdruck und Pulsfrequenz. Angeblich funktioniert es nicht nur in japanischen Wäldern. Nun hat ein Förster aus der Eifel, dem Paradies meiner Kindheit, einen Bestseller geschrieben: „Das geheime Leben der Bäume.“ Angeblich können sie miteinander sprechen und wir mit ihnen. Vielleicht führen diese Erkenntnisse ja zu einer Wiederentdeckung der heimischen Urlaubsregionen, die man ohne Flugzeug oder Schiff erreicht.
Dass die Farbe Grün wohltut, wusste schon Hildegard von Bingen, die den Heiligen Geist als „Grünkraft“ bezeichnete. Die Farben Grün und Blau bewirken, dass wir weiter bzw. offener denken. Schade, dass Kinder und Jugendliche heute viel weniger Zeit draußen zubringen („Warum rausgehen, wenn du ein iphone hast?“). Schade auch, dass unsere Städte im Zuge der sog. Nachverdichtung jede Menge Grün geopfert haben, das jetzt – ganz neue Erkenntnisse! – wieder hinein soll. Was haben wir bei uns für ein großes Glück, denn in unseren Dörfern ist es überall nur ein Katzensprung ins Grüne.
In der Bibel lesen wir dazu Psalm 104 oder wir setzen uns an einen schönen Ort im Freien und denken: „Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.“
Wir dürfen dabei auch laufen.
(J. Deserno)