Kirchenpädagogik

Erkundung der Kirchen unserer Kirchengemeinde

Könnten Sie folgende Fragen beantworten:

  • Wie heißt die Kirche in Dörrebach?
  •  Was haben die Altäre der Kirchen in Eckenroth und Schweppenhausen
    gemeinsam?
  • Wer wurde in der Kirche in Seibersbach beerdigt?
  • Was steht links neben der Kirchentür in Schöneberg?
  • Wo steht dieses Taufbecken?

Bildquelle: Sandra Kemp

Wenn Sie diese Fragen den aktuellen Konfis stellen würden, müssten diese eigentlich die Antworten kennen. Diese Dinge, und noch einige weitere, haben sie bei den Erkundungen in den jeweiligen Kirchen herausgefunden.
Neben dem Kennenlernen der einzelnen Kirchen, hatte jeder Besuch einen eigenen Schwerpunkt, der von der jeweiligen Kirche „vorgegeben“ wurde.
Bei unserem ersten Besuch in Schöneberg haben wir uns mit den Besonderheiten einer katholischen Kirche beschäftigt. Frau Niessen, die Küsterin in Schöneberg, hat uns viel von und über „ihre“ Kirche erzählt. Dabei hat sie uns auch den Taufstein gezeigt, der auf dem Foto zu sehen ist. Das zweigeteilte Taufbecken hat seinen Ursprung darin, dass am ehemaligen Standort des Taufsteins, hinten links in der Kirche, direkt unter dem Taufstein ein Abfluss war. Das Wasser zur Taufe wurde in die eine Hälfte des Taufbeckens gefüllt, nach der Taufe in die zweite Hälfte umgefüllt und lief von dort aus ab.
Nachdem der Taufstein umgestellt wurde, gab es den Abfluss nicht mehr, das Taufbecken ist aber mit dem Taufstein verbunden, daher blieb das zweigeteilte Taufbecken. Vor der Kirche stehen zwei alte Kirchenglocken, die nach dem Krieg im Glockenstuhl hingen und regelmäßig zu den Gottesdiensten riefen.

Marek: „Die Schöneberger Kirche hat mir am besten gefallen. Ich habe es cool gefunden, dass es noch ein paar ältere Sachen in der Kirche gab, wie z.B. die Flaggen.“

Bildquelle: Sandra Kemp

Bei unserem nächsten Besuch in Schweppenhausen haben wir uns mit den drei bunten Kirchenfenstern im Chorraum beschäftigt und die Konfis hatten die Möglichkeit auf die Kanzel zu gehen und von dort aus einen Text zu lesen.
In der Kirche haben wir auch das Geheimnis des schwarzen Kästchens unter den Kirchenbänken am Taufbecken gelüftet, ebenso wie das Geheimnis des Altars. Der Altar hat hinten eine kleine Tür zum Öffnen. Hinter dieser Tür, und damit im Altar, sind die Altardecken gelagert.

Luke: „An der Kirche in Schweppenhausen haben mir die schönen Fenster gefallen und dass sie so groß ist.“

In Dörrebach haben wir uns mit unseren Vorbildern beschäftigt. Wer sind unsere Vorbilder, warum sind diese Personen unsere Vorbilder und was möchten wir später mal genauso machen wie unsere Vorbilder. Hintergrund für diese Einheit war der Name der Kirche. Die evangelische Kirche in Dörrebach heißt „Gustav-Adolf-Kirche“ und erinnert an den schwedischen König Gustav II. Adolf, der im Dreißigjährigen Krieg mit seinem Heer durch Deutschland zog und gegen die Katholiken gekämpft hat. In den zwei Jahren, in denen er im Dreißigjährigen Krieg kämpfte, erreichte er, dass der evangelische Glaube in Deutschland nicht verdrängt werden konnte.
1832, 200 Jahre nach dem Tod von Gustav II. Adolf, wurde in Leipzig ein Verein gegründet, der evangelischen Christen in schwierigen Glaubens-und Lebenslagen helfen wollte. Namenspatron für diesen Verein wurde Gustav II. Adolf, auch wenn über ihn als Person viel gestritten wurde. Ohne ihn hätte es in Deutschland keine Glaubensfreiheit und Glaubensvielfalt mehr gegeben. Der Verein von damals ist heute unter dem Titel „Gustav-Adolf-Werk“ bekannt und wir sammeln regelmäßig in unseren Gottesdiensten Spenden für deren Arbeit.
Eine Besonderheit in Dörrebach ist die Kanzel. Sie ist eine Spende einer Kirchengemeinde aus Bremen. Das Stadtwappen von Bremen erbirgt sich hinter dem Parament.

Emma: „Die Dörrebacher Kirche mag ich, weil ich dort getauft wurde.“

Bei unserem Besuch in Eckenroth haben wir uns mit dem Thema Sterben und Tod beschäftigt. Dazu haben wir auf dem Friedhof die ältesten Grabsteine gesucht, die Konfis haben sich ganz persönlich überlegt was für sie nach dem Tod kommt und wir haben geklärt dass ein Dachreiter keine Person ist, die auf einem (Kirchen-)Dach reitet, sondern dass es sich bei einem Dachreiter um ein kleines Türmchen handelt, welches auf dem eigentlichen Dach sitzt (reitet).
Wussten Sie eigentlich, dass die Kanzel in Eckenroth früher an der Wand zwischen den beiden kleinen ovalen Fenstern angebracht war und der Altar weiter vorne im Kirchenraum stand? Auf einem Foto, welches mir von Frau Kraus zur Verfügung gestellt wurde, ist dies sehr gut zu erkennen. Genauso wie der Segenspruch, der an der Wand stand: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“
Ebenso wie der Altar in Schweppenhausen, verbirgt sich auch im Altar von Eckenroth ein Geheimnis. Auch er hat Türen an der Seite und bietet Stauraum für Altardecken und andere Gegenstände, die für
Gottesdienst und Kirche notwendig sind.

Julia: Die Kirche in Eckenroth hat einen schönen Platz, da direkt nebenan der Friedhof liegt. Das finde ich gut, da Friedhof und Kirche für mich zusammenpassen.“

Als letztes haben wir die Kirche in Seibersbach besucht, die zugleich auch die älteste Kirche in der Gemeinde ist. In der Kirche haben wir uns an die Taufe erinnert und an die Zusage von Gott, dass er uns bei unserem Namen gerufen hat und wir seine geliebten Kinder sind. Nach der Tauferinnerung haben wir gemeinsam um den Altar gestanden und in der Gemeinschaft Brot gebrochen und weitergereicht.
In der Kirche ist Pfarrer Louy beigesetzt. Er war von 1740 bis 1785 Pfarrer in Seibersbach und hat in dieser Zeit sehr viel für die Gemeinde gemacht, so zum Beispiel eine Schule gegründet, die auf der heutigen Wiese zwischen dem „Alten Pfarrhaus“ und der Linde stand. Um ihn für sein Wirken zu ehren wurde er in der Kirche beigesetzt. Es ist allerdings nicht überliefert wo genau seine sterblichen Überreste zu finden sind.

Niklas: „Meine Lieblingskirche ist die in Seibersbach, weil ich so oft in ihr war wie in sonst keiner und sie mir auch am besten gefällt.“

Diese Kirchenerkundungen sind eine Methode der Kirchenraumpädagogik oder Kirchenpädagogik. Dieser Zweig der Pädagogik eröffnet Zugänge für religiöse Erfahrungen in einem sakralen Raum. Bei einer Kirchenerkundung geht es daher auch weniger um Zahlen und Fakten, als vielmehr darum was der Raum uns erzählt. Welche Geschichten er erlebt hat und welche Geschichten wir in und mit diesen Räumen bereits erlebt haben und damit Teil der Geschichte des Raumes werden.
Die Räume werden dabei auch mit allen Sinnen wahrgenommen. Wenn Sie das nächste Mal im Gottesdienst sind, schließen Sie doch mal kurz die Augen, kommen zur Ruhe und hören und riechen Sie mal was sie wahrnehmen und welche Erinnerungen dies in ihnen hervorruft.

Fotos und Text: Sandra Kemp