Adventskranz

Kerzen am Adventskranz

„Als wir Kinder waren, hatten wir in den Wochen vor Weihnachten unseren Adventskranz. An den vier Adventssonntagen wurden die Kerzen angezündet und wir sangen dann die alten Adventslieder.

Bei uns zu Hause war es Sitte, am ersten Adventssonntag alle vier Kerzen anzuzünden, am zweiten noch drei, am dritten zwei und am vierten nur noch eine einzige. Unsere Nachbarn dagegen machten es umgekehrt. Man begann mit einer einzigen Kerze, am zweiten Sonntag brannten zwei, am dritten drei, am vierten vier. Wir Kinder fragten „wer macht es richtig, wer macht es falsch?“ Die Mutter erklärte, dass man sich bei beidem etwas denken könne: „Wir denken, wie lange dauert es noch bis Weihnachten? Zuerst noch vier Wochen, also vier Kerzen. Dann noch drei Wochen, also drei Kerzen. Dann nur noch zwei… und so fort. Die Nachbarn dagegen zählen die Adventssonntage: Erster Sonntag – eine Kerze, zweiter Sonntag – zwei Kerzen… bis es Weihnachten ist.“

Ich glaube, meine Eltern, die zuerst alle Kerzen anzündeten und dann immer weniger, hatten den urtümlicheren Brauch. Je mehr es auf Weihnachten zuging, desto geringer wurde draußen das Licht, desto länger wurden die dunklen Nächte. Der grüne Kranz mit seinen vier Kerzen war das Symbol der Welt, die schwindende Zahl der Lichter zeigt an, dass die Welt dunkler wurde. Kurz vor Weihnachten waren dann die dunkelsten Tage erreicht. Von da an wurden die Tage wieder länger. Da strahlte die Hoffnung auf das wachsende Licht auf, und deshalb wurde dann ein ganzer Baum voller Lichter gesteckt.

Wenn unsere Nachbarn es anders hielten, war das so etwas wie eine Stellungnahme. Das Licht, so wurde gezeigt, nimmt immer nur zu. Mochte die Natur draußen auch immer dunkler werden – drinnen, wo Advent gefeiert wurde, nahm das Licht von Woche zu Woche zu, bis es schließlich anschwoll in die Lichterflut des Christbaumes.“ Wenn ich heute einen Adventskranz hätte… – Was meinen Sie?

(Gisela Jarjour)